Mit Verhaltenstherapie (VT) wird ein ganzes Spektrum von Formen der Psychotherapie bezeichnet. Allen Formen ist gemeinsam, dass die Hilfe zur Selbsthilfe für den Patienten im Mittelpunkt steht, ihm nach Einsicht in Ursachen und Entstehungsgeschichte seiner Probleme Methoden an die Hand gegeben werden, mit denen er zukünftig besser zurechtkommt.

Ursprünglich verfolgte die Verhaltenstherapie nach John B. Watson im Gegensatz zu tiefenpsychologisch Verfahren ein "Black-Box-Modell, das im Wesentlichen besagt, dass innere Vorgänge für uns undurchschaubar bleiben und daher nicht analysiert werden sollten. Diese Haltung stellte einen Versuch dar, von der intuitiven Vorgehensweise der Tiefenpsychologie wegzukommen, die, wie Wolf Singer es beschreibt, von der Perspektive der 1. Person ("Ich beobachte meine Gefühle") lebt und weitgehend auf Unterstellungen angewiesen ist.

Die Verhaltenstherapie sucht die Perspektive der 3. Person ("Wir schauen gemeinsam auf die Situation") und ist daher stärker an neurologisch-neurobiologischen Modellen angelehnt, bei der Reiz und die messbare Reaktion im Mittelpunkt stehen.

Ausgehend vom monosynaptischen Reflexbogen, der im Rückenmark verschaltet wird und auf den Sehnendehnungreiz, eine Muskelkontraktion vermittelt, wird das ZNS als komplizierter Reflexbogen verstanden, dessen Verschaltungsstrukturen es zu verändern gilt.

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